Auszüge aus einem Interview

Daisy Czyzewski führte mit den beiden Autorinnen der Inszenierung, Sophie Jahn und Anna-Lorena Hollenhorst, ein Interview, welches in der 3. Ausgabe der JOWAX-Schülerzeitung veröffentlicht wurde.   Sie schrieben das Exposé  und erstellten im Rahmen einer Besonderen Lernleistung (BELL) das Drehbuch. Hier einige Auszüge:

 

Warum LUTHER?

Nach unserer letzten Theaterinszenierung, der „Jetzt Zeit Legende“, bestand unsere Intention darin, auch selbst einmal das Sujet für eine Aufführung zu kreieren. Auf der Suche nach einem geeigneten Stück  gab uns Frau Dr. Hönicke verschiedene Skripte als Grundlage, unter anderem eins vom Leben Luthers, das schon vor längerer Zeit aufgeführt wurde. Allerdings gefiel uns die Umsetzung nicht. Und so schrieben wir unser eigenes Theaterstück.

Wir meinen, Luther bietet sich an: Torgau als Lutherstadt, die Lutherdekade und der Torgauer Katharinen-Tag.

 

Nun fehlte ja nur noch die Handlung...

Diese war anfangs weniger komplex geplant. Wir wussten auf jeden Fall, dass wir   in der ersten Szene Luther auf der Wartburg darstellen wollten. Denn das ist ein Ereignis, mit dem selbst jüngere Schüler etwas anfangen können. Allerdings fand das ja schon ziemlich spät statt.

Um eine Lösung für das Problem zu finden, haben wir uns   überlegt, wie wir Luthers Leben vor dem Ereignis auf der Wartburg inszenieren können.

Also entschieden wir uns für filmische Rückblenden, um das vorher Geschehene mit einbinden zu können. Übrigens, diese werden gerade in der Schlosskirche und dem Bürgermeister- Ringenhainhaus gedreht und von 2 Schülern der Medienkurse 11 als Feature inszeniert.

 

Was möchtet ihr in diesen Rückblenden besonders hervorheben?

Wir möchten dem Publikum zeigen, wer Martin Luther wirklich war. Also Charaktereigenschaften, Elternhaus, seine Taten usw.

 

Wie habt ihr die einzelnen Akte aufgeteilt?

Der erste Akt stellt, wie gesagt, Luther auf der Wartburg dar.

Der zweite Akt zeigt Luther mit Studenten und Bauern und der dritte Akt befasst sich mit Luther und seiner Familie.

Im vierten Akt redet Luther über die Sprache und das Leben.

Und im letzten Akt wollten wir den Bezug zu Torgau herstellen und wählten dafür: Luther und Johann Walter.

 

Aber denkt ihr nicht, dass der Stoff zu trocken für ein junges Publikum ist?

Ja, dafür haben wir uns auch etwas überlegt.

Um das ganze ansprechender zu gestalten, haben wir jeden Akt auf eine moderne Ebene dupliziert.

 

Nun kann man sich das bei diesem Thema schwer vorstellen. Könnt ihr das erklären?

Ja. Also beim ersten Akt geht es ja um Luther, der gegen sich selbst und seine Eltern „kämpft“. Um hier den modernen Bezug einzubringen, haben wir uns für ein pantomimisches Spiel mit der Aussage „Kampf gegen Autoritäten“ entschieden. Und so zieht sich das durch alle fünf Akte. Dem historischen Bild „Luther unter Studenten und Bauern“ entspricht das Gegenwartsfeature „German History“, konkret die Sequenz „Mauerfall 1989“, auch hier begehren die Menschen gegen die Missstände der Gesellschaft auf. Eine weitere Assoziation ist nach dem dritten Akt integriert: Die im Jahr  2012 gekürte Katharina-von-Bora-Botschafterin Cathrin Schauer als  Fürsprecherin misshandelter Kinder an der deutsch-tschechischen Grenze. Luther als Sprachgenie spiegelt sich in der modernen Parallele der Darstellung der Ausdruckskraft von Körperkommunikation durch den aktuellen Tanzstil Hip Hop wider. Unser abschließendes Bild geht über die Gegenwart hinaus. In Anlehnung an die Ideale Luthers und Johann Walters, verbinden sich hier die beiden Phänomene „Musik“ und „Freiheit“. Michael Grunow und Jonathan Saretz, Schüler der Klasse 12, agieren im Wechselspiel. Michael performt seinen selbst verfassten Poetry Slam zu gleichem Thema, symbolisiert den modernen Luther, welcher seine Meinung offenkundig artikuliert, gegen alle Vorurteile, gegen alle Kritiken. Jonathan verkörpert Johann Walter, einst Freund und Unterstützer Luthers, nunmehr Partner visionärer Gedanken.

 

Aber, ist es denn nicht unheimlich schwierig, ein Theaterstück über Menschen zu schreiben, die man nur aus Erzählungen kennt?

Ja, sehr. Um das machen zu können, muss man sich ein sehr breites Vorwissen aneignen. Das heißt, man muss nicht nur die Biografien der einzelnen Personen kennen, sondern auch Charaktereigenschaften, Merkmale, Haltungen usw.

Und das alles muss man dann mit einer möglichst authentischen Sprache und der jeweiligen Handlung in einer Szene verbinden.

 

Bei einer BELL braucht man ja nicht nur einen unterstützenden Lehrer, sondern auch einen externen Partner. Wen habt ihr gewählt, und wie hat dieser euch unterstützt?

Frau Senftleben vom Jugendbildungsprojekt  Wintergrüne! Wir haben sie gewählt, weil sie zum einen viel mit Jugendlichen zusammenarbeitet und tolle Ideen hat, und zum anderen, weil sie auch den Bezug zur Kirche und den historischen Kontext immer im Blick hat.

Als wir ihr unsere Vorschläge präsentiert haben, konnte sie uns auch gleich sagen, was gut umsetzbar ist und an welchen Punkten wir noch verändern müssen. Auch die Zusammenarbeit mit ihr ist sehr angenehm.

Außerdem hat uns Frau Senftleben durch ihre Kontakte neue Türen zu anderen Personen geöffnet, wie beispielsweise Herrn Sens.

Ja, und nun ist sie bei den Proben des Öfteren auch mit dabei und während Frau Dr. Hönicke uns aus pädagogischer und künstlerischer Sicht beraten kann, hilft uns Frau Senftleben aus fachlicher Sicht.

 

War das nicht eine große Belastung zusätzlich zu Hausaufgaben und Lernen?

Ja, schon. Aber wir setzen die BELL ja auch nicht mit Schule gleich.

Wir haben uns freiwillig dafür entschieden und machen das in unserer Freizeit. Außerdem ist es eine willkommene Abwechslung zum stressigen Schulalltag. Immerhin ist die BELL ein Grund, manch andere Hausaufgaben etwas später zu erledigen. ;-)

 

Könnt ihr, wenn ihr die vergangene Zeit reflektiert, trotzdem das Projekt „BELL“ weiterempfehlen?

Ja, auf jeden Fall! uns ist sowieso unklar, warum sich in jedem Jahrgang immer nur vereinzelt Leute dafür entscheiden.

Wir sind froh, dass wir so eine Erfahrung machen durften.

Eine Erfahrung, die sehr viele neue Chancen öffnet.

 

Einen Tipp für alle Interessierten zum Schluss...

sucht euch die richtigen Partner aus! Im Idealfall, der bei uns glücklicherweise eintrat, eine Lehrerin und Beraterin, die auch mal ihr Wochenende opfert, um sich eure Konzepte genauestens anzusehen, die euch unterstützt und eure Meinung respektiert. Außerdem ist es immer gut, so ein Projekt zu zweit anzugehen. Dann könnt ihr euch gegenseitig motivieren und Denkanstöße geben.